Parodontitis - die schleichende Gefahr
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Parodontitis - die schleichende Gefahr

Vorbeugung und Früherkennung können Folgeschäden verhindern

- Langversion -

(rz, Marburg, 3. Juli 2008) Die Parodontitis ist bei Erwachsenen nach dem 45. Lebensjahr nicht nur die häufigste Ursache für Zahnverlust, sondern auch eine ernstzunehmende Gefahr für die Allgemeingesundheit. Entzündungen des Zahnhalteapparates können den Verlauf von Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, des Diabetes’ und durch das Metabolische Syndrom ausgelöste Gesundheitsstörungen signifikant negativ beeinflussen. Auch Wechselwirkungen mit anderen systemischen Erkrankungen wie Osteoporose, Alzheimer, rheumatoider Arthritis und Krebserkrankungen der Mundhöhle werden derzeit auf Basis aktueller wissenschaftlicher Daten diskutiert. In der Schwangerschaft können sogar Frühgeburten und ein niedriges Geburtsgewicht mit einer Entzündung des Zahnhalteapparates zusammenhängen. Etwa 23 Millionen Deutsche zwischen 35 und 74 Jahren leiden an einer behandlungsbedürftigen Parodontalerkrankung.

Parodontitis ist beeinflussbar

„Parodontitis ist jedoch eine beeinflussbare Erkrankung. Eine sorgfältige Mundhygiene zu Hause, eine regelmäßige professionelle Betreuung durch den Zahnarzt und die Vermeidung von Risikofaktoren sind entscheidende Voraussetzungen, um der Erkrankung effektiv vorzubeugen“, sagt Professor Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung Parodontologie der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie der Universität Würzburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP). Auch eine bereits bestehende Erkrankung kann in vielen Fällen geheilt oder deren Verlauf zumindest gestoppt werden. Dabei gilt: Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Ursache einer Parodontitis sind bakterielle Beläge am Zahnfleischrand und in den Zahnzwischenräumen. Wichtig ist daher eine gründliche Mundhygiene insbesondere an diesen Stellen. Zusätzlich zum zweimal täglichen Zähneputzen müssen einmal am Tag auch die Zahnzwischenräume mit Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürstchen gereinigt werden.

Professionelle Zahnreinigung wichtig

Eine sorgfältige Mundhygiene reicht aber aus. Hartnäckige Ablagerungen und bakterielle Beläge an schwer zugänglichen Stellen kann nur der Zahnarzt oder seine Prophylaxeassistentin mit speziellen Instrumenten im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung (PZR) entfernen. Dabei werden nach der Kontrolle des Entzündungsstatus’ und der Überprüfung der häuslichen Mundhygiene alle harten und weichen Ablagerungen vollständig entfernt. Anschließend folgt eine Politur und zum Schutz vor Karies eine Fluoridierung der Zahnoberflächen. Zudem erhält der Patient wichtige Hinweise zur Optimierung der häuslichen Mundhygiene. Wie oft eine professionelle Zahnreinigung notwendig ist, hängt vom individuellen Erkrankungsrisiko ab. Dies kann nur der Zahnarzt ermitteln und einen entsprechenden Zeitrahmen für weitere PZR empfehlen. „Je nach Erkrankungsrisiko können zwei bis sechs Reinigungstermine im Jahr notwendig sein“, so Schlagenhauf.

Risikofaktoren vermeiden

Wichtig ist überdies die Vermeidung von Risikofaktoren, insbesondere das Rauchen. Raucher entwickeln deutlich häufiger eine Parodontitis als Nichtraucher und haben nachweislich geringere Heilungschancen. Besonders gefährdet sind Menschen mit einer Schwächung des Immunsystems, die häufig genetisch bedingt ist. Sie haben generell ein erhöhtes Risiko für Entzündungen und sind damit auch anfälliger für die Entstehung einer Parodontitis. Für sie sind eine sorgfältige Mundhygiene und eine regelmäßige zahnärztliche Kontrolle besonders wichtig.

Parodontaler Screening Index (PSI)

Eine Parodontitis verläuft anfänglich meist schmerzlos. Das Fortschreiten der Erkrankung bleibt daher oft unbemerkt und kann zu tiefen Zahnfleischtaschen führen, die durch einen Abbau des Kieferknochens und des zahnumgebenden Gewebes entstehen. Bei der zahnärztlichen Kontrolle lässt sich mithilfe des Parodontalen Screening Indexes (PSI) leicht und in einem sehr frühen Stadium feststellen, ob eine parodontale Erkrankung vorliegt, die gründlicher untersucht werden muss. Mit einem speziellen Messinstrument, der Parodontalsonde, kann der Zahnarzt weitgehend schmerzfrei Rauhigkeiten auf der Zahnoberfläche erfassen, die Blutungsneigung des Zahnfleischs feststellen und die Tiefe von Zahnfleischtaschen messen. „Bei dieser Methode wird das Gebiss in sechs verschiedene Abschnitte eingeteilt und jeder Zahn systematisch untersucht. Die Befunde sind in Codes von 0 bis 4 zusammengefasst. Code 0 bedeutet, dass das Zahnfleisch gesund ist.

Bei Code 1 und 2 liegt eine oberflächliche Zahnfleischentzündung vor. Code 3 und 4 stehen für flache und tiefe Zahnfleischtaschen und deuten somit in den allermeisten Fällen auf eine mittelschwere bzw. schwere Form der Parodontitis hin. Für jeden der sechs Abschnitte ist jeweils der höchste Code maßgebend“, erläutert Schlagenhauf. Der PSI ist eine Kassenleistung und wird alle zwei Jahre von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

Zeigt der PSI schwerwiegende parodontale Probleme, erfolgt eine gründliche Untersuchung des Zahnhalteapparates, der so genannte Parodontalstatus. Die Untersuchung klärt, welche Form der Parodontalerkrankung letztendlich vorliegt. Aufgrund der Diagnose kann dann eine entsprechende Behandlung eingleitet werden.

Die Vorbeugung und frühe Erkennung einer Parodontitis in Verbindung mit einer entsprechenden Behandlung können Zahnverlust verhindern, die Lebensqualität steigern und wesentlich zur Allgemeingesundheit beitragen.


Individuelle Tipps zur Vorbeugung sowie Informationen zur Früherkennung der Parodontitis geben der Zahnarzt und sein Team.

Weitere Informationen auf www.dgparo.de

 


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