Pressemeldung 2004 - Für ungetrübte Vorweihnachtsfreude: Süßigkeiten ja, aber bitte nicht so oft!
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Für ungetrübte Vorweihnachtsfreude: Süßigkeiten ja, aber bitte nicht so oft!

(rz, Marburg, 01. Dezember 2004) Plätzchen, Lebkuchen, Glühwein und andere süße Leckereien sind gerade in der Vorweihnachtszeit allgegenwärtig: Die Supermarkt-Regale sind voll davon, auf den Weihnachtsmärkten werden sie zuhauf angeboten, und natürlich zum Nikolaustag wird Süßes gern verschenkt – vor allem die Kinder freuen sich darüber. Die Vorweihnachtszeit ist Inbegriff des Schlemmens und Genießens. Die Folgen kennen wir alle: Der Hosenbund kneift und für viele ist Abnehmen daher erster guter Vorsatz im neuen Jahr. Doch nicht nur Bauch und Hüften, vor allem die Zähne leiden unter der permanenten süßen Schlemmerei.

Haushaltszucker, Fruchtzucker, Rohrzucker und Traubenzucker gehören zu den einfachen (niedermolekularen) Kohlenhydraten und sind Bestandteil zahlreicher Süßigkeiten. Diese Zucker sind “Hauptnahrungsmittel” von Karies auslösenden Bakterien, die sich vor allem im Zahnbelag, auch Plaque oder Biofilm genannt, sammeln. Dieser bakterielle Zahnbelag besteht aus einem Gemisch aus körpereigenen Absonderungen, Nahrungsresten und Mikroorganismen. Durch die Verstoffwechslung der Zucker entsteht ein saures Milieu auf der Zahnoberfläche. Dies führt zu einer Auflösung der Zahnhartsubstanz: Die Folge ist Karies. Dabei werden aus dem Zahnschmelz Mineralien wie Kalzium und Phosphor herausgelöst (Demineralisation).

Plaquebakterien können schon bei der Zufuhr sehr geringer Zuckermengen so viel Säure bilden, dass ein Absinken des Plaque-pH-Wertes in den sauren Bereich nachgewiesen werden kann. “Jede einmalige Aufnahme vergärbarer Kohlenhydrate führt zu einem zeitlich begrenzten, etwa 30 bis 40 Minuten anhaltenden pH-Abfalls in der Plaque”, erklärt Professor Joachim Klimek, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung der Universität Gießen und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Sektion Zahngesundheit im Deutschen Grünen Kreuz e. V. Steht anschließend jedoch genügend Zeit ohne weitere zuckerhaltige Nahrungsaufnahme zur Verfügung, kann sich durch die neutralisierende Wirkung des Speichels der Zahnschmelz von der Säureattacke “erholen”. Dieser Prozess wird als Remineralisation bezeichnet.

Wird im Tagesverlauf jedoch immer wieder Süßes gegessen, können sich die Säureattacken zeitlich überschneiden oder so dicht aufeinander folgen, dass der Zahnschmelz keine Möglichkeit hat sich zu erholen, die Demineralisation schreitet voran und führt letztlich zu Karies. “Zahlreiche Studien haben belegt, dass nicht die Menge des zugeführten Zuckers, sondern die Häufigkeit der Zuckeraufnahme für die Entstehung von Karies entscheidend ist”, sagt Professor Klimek.

Es hat sich gezeigt, dass eine Vielzahl verschiedener Faktoren das kariogene Potenzial eines Produkts beeinflussen können: Neben Typ und Menge der enthaltenen Kohlenhydrate spielt die Verweildauer eines Produkts in der Mundhöhle eine wichtige Rolle. Je länger Nahrungsreste an den Zähnen oder in den Zahnzwischenräumen haften, desto länger erhalten die Plaquebakterien Nachschub an vergärbaren Kohlenhydraten. Dies trifft beispielsweise besonders auf Karamel-Schokoladen-Produkte zu, noch mehr jedoch auf Chips, Kräcker und Plätzchen, die gerade in der Vorweihnachtszeit besonders häufig verzehrt werden.

Der pH-Wert bleibt nach dem Verzehr solcher Produkte lange auf einem niedrigen, kariogenen Niveau. Leicht übersehen werden häufig “versteckte Zucker”: Ketchup, Senf, Fruchtjoghurt, Hamburger-Brötchen, Gemüse- und Fruchtsaft oder Müsliriegel enthalten einen erheblichen Anteil an niedermolekularem Zucker.

Um den Zähnen die Gelegenheit zur Remineralisation zu geben, ist es also nicht nur wichtig, was man isst, sondern vor allem, wie oft man es isst. Wer auf Süßes nicht verzichten will, bitte so selten wie möglich naschen, am besten nach der Hauptmahlzeit! Bevor man anschließend zur Zahnbürste greift, sollte man den Mund mit klarem Wasser ausspülen. Ist keine Zahnbürste greifbar, kann ein Zahnpflege-Kaugummi (Xylitol-Kaugummi) helfen, das neutrale Milieu im Mund wieder herzustellen.

In Nahrungsmitteln, die als süße Zwischenmahlzeit dienen, werden heutzutage häufig Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit, Xylit und Mannit eingesetzt. Diese Zuckeralkohole sind nachweislich nicht kariogen oder besitzen ein vernachlässigbar geringes kariogenes Potenzial. Solche Produkte können als zahnschonend deklariert werden, wenn in einem so genannten Insitu-Test der pH-Wert der Plaque nicht unter den Grenzwert von 5,7 abfällt. Zahnfreundlich sind generell beispielsweise kalziumreiche Nahrungsmittel, denn sie wirken der Demineralisation der Zähne entgegen. Gute Kalzium-Lieferanten sind Milch, Milchprodukte, grüne Gemüse, Mandeln und einige Mineralwässer. Zu empfehlen ist zudem eine ballaststoffreiche Vollwertkost, die intensiv gekaut werden muss. Das regt den Speichelfluss an und unterstützt somit die Remineralisation.

Um die Remineralisation der Zähne zu fördern, ist auch eine Versorgung der Zähne mit Fluoriden sinnvoll. Sie hemmen das Bakterienwachstum und wirken der Plaque-Bildung entgegen, sie versiegeln die Zähne mit einer Hülle aus Kalziumfluorid, das bei einem Säureangriff zuerst aus dem Zahnschmelz herausgelöst wird. Darüber hinaus können sie bedingt aus dem Zahn herausgelöste Mineralien ersetzen. Zur Kariesvorbeugung mit Fluoriden ist der Zahnarzt der geeignete Ansprechpartner.

Damit die Zähne nicht übermäßig leiden und die Freude an den süßen Leckereien nicht getrübt wird, sollte man folgendes beherzigen: Süßigkeiten bewusst und so selten wie möglich immer verbunden mit Hauptmahlzeiten genießen, eine regelmäßige und gründliche Mundhygiene mit einer fluoridhaltigen Zahnpaste und bei allen süßen Verführungen auf eine ausgewogene, zahngesunde Ernährung achten.


Service:

 

Jedes Kind isst gerne Sigkeiten

Jedes Kind isst gerne Süßigkeiten. Den Zähnen zuliebe sollte es aber einmal am Tag beim Naschen bleiben. Foto: Sektion Zahngesundheit im DGK

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