Pressemeldung 2004 - Moderne Ernährungsgewohnheiten beeinflussen die Mundgesundheit: vermehrte Erosionen und erhöhtes Kariesrisiko
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Moderne Ernährungsgewohnheiten beeinflussen die Mundgesundheit: vermehrte Erosionen und erhöhtes Kariesrisiko

(rz, Marburg, November 2004) In den Industrienationen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten die Ess- und Trinkgewohnheiten gravierend verändert. Dem übermäßigen Genuss moderner Nahrungsmittel wie Fastfood und Softdrinks steht ein Mangel an Bewegung gegenüber. Die fatale Folge: Jeder zweite erwachsene Deutsche ist übergewichtig, jeder fünfte bis sechste adipös – die Tendenz ist steigend. Bei Schulkindern liegt der Anteil adipöser Kinder bereits bei 15 Prozent. Des Weiteren ist aufgrund der Fehlernährung in Kombination mit Bewegungsmangel eine enorme Häufung chronisch-degenerativer Erkrankungen zu beobachten.

Die veränderten Ernährungsgewohnheiten haben auch erhebliche Auswirkungen auf die Mundgesundheit: Sie können sowohl zu einem erhöhten Kariesrisiko – besonders bei übergewichtigen Menschen – wie auch zu vermehrten erosiven Schädigungen der Zahnhartsubstanz führen. “Eigene Untersuchungen bei 842 Grundschulkindern konnten belegen, dass in dieser Altersgruppe ein signifikanter Zusammenhang zwischen Übergewicht und Kariesprävalenz vorlag”, berichtet Professorin Dr. Brita Willershausen, Direktorin der Poliklinik für Zahnerhaltungskunde an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. Der häufige und regelmäßige Konsum fruchtsafthaltiger Getränke und saurer Nahrungsmittel kann zudem schwerwiegende Defekte der Zahnhartsubstanz verursachen. “Die Zunahme der dentalen Erosionen entwickelt sich zu einer großen Herausforderung für zahnärztlich-prophylaktische Maßnahmen sowie entsprechende Restaurierungsmöglichkeiten”, so Willershausen.

Die dentale Erosion ist gekennzeichnet durch irreversiblen, meist schmerzlosen Verlust der Zahnhartsubstanz, der durch chemische Prozesse ausgelöst wird. Diese Prozesse entstehen durch Demineralisation oder Chelatbindung an der Zahnhartsubstanzoberfläche ohne Beteiligung von Mikroorganismen. Beeinflussende Faktoren sind pH-Wert, Pufferkapazität und Fließrate des Speichels, das Mundhöhlenmilieu, die Pellikelschicht sowie das Mundhygieneverhalten und die Zahnanatomie.

Studien belegen, dass die Trinkgewohnheiten ein entscheidender Faktor für die Entstehung von Erosionen sind, wobei das Ausmaß der Erosionen von den Faktoren Temperatur, Konzentration und Zeit abhängig ist. Die pH-Werte von Softdrinks und Fruchtsäften bewegen sich in einem Bereich zwischen 2,4 bis etwa 4. In Cross-over-Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei einer Belastung mit 250 Milliliter Softdrink pro Tag bereits nach 15 Tagen profilometrisch nachweisbare Schmelzerosionen auftraten. Auch Früchtetees sind ätiologisch von Bedeutung. Verschiedene Untersuchungen weisen außerdem darauf hin, dass sowohl Weiß- als auch Rotweine ein erosives Potenzial haben. Auch Mundwässer mit niedrigem pH-Wert können zu Erosionen führen. Eine Folgeproblematik ergibt sich insbesondere daraus, dass erosiv veränderter Schmelz verstärkt abrasionsanfällig ist. Darüber hinaus haben soziale Faktoren bezüglich entsprechender Ernährungsgewohnheiten und des Gesundheitsbewusstseins eine wesentliche Bedeutung für die Erosionsentstehung.

Willershausen et al.* (2004) konnten das Verhalten einzelner Schmelzbestandteile (Kalzium, Phosphor, Sauerstoff) bei Inkubation mit Getränken mit niedrigem pH-Werten untersuchen.

Es wurden Schmelzproben bis zu 24 Stunden mit säurehaltigen Getränken (diverse Softdrinks, Weißwein, Alcopops) in einem Brutschrank bei 37 Grad Celsius und einem Luft/Kohlendioxidgemisch inkubiert. Eine Analyse der eingebetteten und plangeschliffenen Schmelzproben erfolgte mit Hilfe einer Elektronenstrahl-Mikrosonde.

“Es zeigten sich signifikante konzentrationsabhängige Verluste der untersuchten Elemente Kalzium, Phosphor und Sauerstoff, die die wesentlichen Bestandteile des Apatitkristallgefüges darstellen. Die Elementverluste reichten bis in eine Tiefe von 40 µm”, erläutert Willershausen. Weiter konnte in der Studie nachgewiesen werden, dass eine signifikante Abhängigkeit des Kalziumverlustes in Abhängigkeit von der Inkubationsdauer besteht. Das betraf sowohl die alkoholischen als auch die nichtalkoholischen Getränke. Auf den zusätzlich angefertigten Aufnahmen mit Hilfe der Rasterelektronenmikroskopie (REM) bzw. der konfokalen Laserscanning-Mikroskopie (CLSM) konnten die Schmelzveränderungen dargestellt werden. Zur Kontrolle wurden Schmelzproben mit Streptococcus mutans inkubiert. Im REM wiesen die oberflächlichen Schmelzareale nach mikrobieller Inkubation ein ähnliches Zerstörungsmuster auf wie nach der Inkubation mit den säurehaltigen Getränken.

“Häufiger Genuss säurehaltiger Getränke und säurehaltiger Lebensmittel führt nachweislich zu Schmelzerosionen. Wird er Genuss von säurehaltigen Getränken mit schlechter Mundhygiene verbunden, kann es zu einer Verstärkung der Zahnhartsubstanzschädigung kommen. Außerdem können vermehrt Abrasionen auftreten”, resümiert Professor Willerhausen. Neben anatomischen Besonderheiten der Zähne spielen somit die Konsum- und Mundhygienegewohnheiten eine wesentlichen Rolle. Säurehaltige Lebensmittel sollten mit Hinweisen auf mögliche Zahnschäden versehen werden, fordert Willershausen. Des Weiteren sollten übergewichtige Menschen auf ihr zusätzliches Kariesrisiko hingewiesen werden.

Weitere Informationen finden Sie unter www.rundum-zahngesund.de der Hompage der Sektion Zahngesundheit im Deutschen Grünen Kreuz e. V.

* Willershausen, B., Schulz-Dobrick: In Vitro study on dental erosion provoked by various beverages using electron probe microanalysis. Eur J Med Res 9, 432-43, 2004

Der häufige Genuss säurehaltiger Getränke führt nachweislich zu Zahnschmelzerosionen
Der häufige Genuss säurehaltiger Getränke führt nachweislich zu Zahnschmelzerosionen.
Foto: Prof. Dr. Brita Willershausen

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Das Foto kann von Redaktionen kostenlos per E-Mail angefordert werden unter: zahngesund(à)kilian.de

 


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