Parodontitis erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
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Parodontitis erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

(rz, Marburg, 11. Juni 2008) Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen – diese Verbindung mag zunächst absurd klingen, ist es aber keineswegs. Die Entzündung des Zahnhalteapparates gilt als wesentlicher Risikofaktor für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Zu diesem Ergebnis kommen unterschiedliche Studien. Zurzeit weisen etwa 23 Millionen der 35- bis 74-Jährigen in Deutschland eine behandlungsbedürftige Parodontalerkrankung auf – eine Zahl, die in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist. Die Parodontitis wird mittlerweile mit den klassischen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck und Übergewicht gleichgesetzt. Studien haben ergeben, dass Parodontitis-Patienten ein bis 1,7-fach höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können.

Doch wie kommt es zu diesem Zusammenhang? „Man geht davon aus, dass entzündungsfördernde Botenstoffe, die bei Parodontalerkrankungen chronisch ausgeschüttet werden, über die Blutbahn in andere Körperregionen gelangen und so eine systemische Wirkung entfalten“, erklärt Professor Ulrich Schlagenhauf, Leiter der Abteilung Parodontologie der Klinik und Poliklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Würzburg und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie.

Ursache für arterielle Verschlusskrankheiten wie Herzinfarkt oder Schlaganfall – der Todesursache Nummer eins in Deutschland – sind entzündliche Veränderungen der Gefäßinnenwände. Neben Rauchen, Diabetes, Alkoholmissbrauch und Übergewicht wurden mittlerweile auch chronische Entzündungen als wesentlicher Risikofaktor identifiziert. „Bei einer unbehandelten chronischen Parodontitis gelangen permanent Bakterien aus den vertieften Zahnfleischtaschen ins Blut. Da manche von ihnen in der Lage sind, direkt in die Zellen der Gefäßwände einzudringen, können sie den Ausgangspunkt einer schwerwiegenden Gefäßerkrankung bilden“, so Schlagenhauf.

Der Mund spielt generell für die Einschwemmung von Krankheitserregern in die Blutbahn, so genannter Bakteriämien, eine Schlüsselrolle. Bakteriämien gelten beispielsweise als Hauptursache für eine Endokarditis, eine infektiöse Entzündung der Herzinnenhaut. Bislang wurde allgemein angenommen, dass vor allem bei invasiven medizinischen Eingriffen das größte Endokarditisrisiko besteht. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie  haben neuere Untersuchungen jedoch gezeigt, dass bei 80 Prozent der Endokarditis-Patienten das Auftreten der Erkrankung in keinem erkennbaren direkten Zusammenhang zu einem operativen Eingriff stand. Die Bakterien müssen also auf einem anderen Weg ins Blut gelangt sein. „Es wurde festgestellt, dass bei Menschen mit Zahnfleischerkrankungen Bakterien bereits bei alltäglichen Aktivitäten wie dem Zähneputzen, dem Gebrauch von Zahnseide oder dem Kauen von Nahrung ins Blut gelangen. Laut der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie kann daher ein schlechter Zahnstatus ein Risikofaktor für Bakteriämien und damit für die Entstehung etwa einer Endokarditis sein. Menschen mit gesunden Mundverhältnissen hingegen haben erwiesenermaßen seltener Bakteriämien“, sagt Professor Georg Ertl, Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik I des Universitätsklinikums Würzburg und stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

Vor diesem Hintergrund kommen neben einer gesunden Lebensführung und der Vermeidung der klassischen Risikofaktoren einer sorgfältigen Zahnpflege und Mundhygiene sowie der Vorbeugung, Diagnostik und Behandlung der Parodontitis eine wichtige Bedeutung auch für die Allgemeingesundheit zu, insbesondere zur Vorbeugung von entzündlichen, vielleicht aber auch anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vor allem Maßnahmen wie die Professionelle Zahnreinigung und die Parodontitistherapie können wirkungsvoll dazu beitragen, das Risiko für Herz-, Kreislauf- und Gefäßerkrankungen zu verringern. Bei Erkrankungen, die im Zusammenhang mit einer Parodontitis stehen, ist zudem die Zusammenarbeit mit dem Hausarzt oder Internisten wichtig.

Individuelle Tipps für eine effektive Zahnpflege und Mundhygiene zur Vorbeugung einer Parodontitis sowie Informationen zur Behandlung geben der Zahnarzt und sein Team.

Weitere Informationen auf www.dgparo.de und www.dgim.de

 


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