- 1: Verbraucher.
- 1.1: Wissenswertes über Zähne.
- 1.2: Parodontalerkrankungen.
- 1.3: Karies.
- 1.4: Kieferorthopädie.
- 1.5: Kinderzahnheilkunde.
- 1.6: Mundhygiene & Zahnpflege.
- 1.7: Zahnästhetik.
- 1.8: Implantologie.
- 1.9: Endodontie.
- 1.10: Zahnerosionen.
- 1.11: Zahngesunde Ernährung.
- 1.12: Qualitätssicherung i. d. zahnärztl. Versorgung.
- 1.13: Prophylaxe .
- 2: Presse.
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- 4: Fachkreise.
- 5: Buchtipp.
- 6: Wir über uns.
- 7: Aktuell.
- 8: Impressum.
Service-Content
Textanfang / Content
Die Kieferorthopädie ist ein Spezialgebiet der Zahnmedizin, das sich mit Kiefer- und Zahnfehlstellungen beschäftigt, insbesondere mit deren Vorbeugung, Diagnose und Therapie. Infolge von Zahn- und Kieferfehlstellungen können etwa Kau- und Abbeißprobleme, Sprechstörungen oder Kiefergelenksprobleme entstehen, die durch eine kieferorthopädische Behandlung therapiert werden. Darüber hinaus kann durch eine solche Behandlung Schäden am Zahnhalteapparat (Parodontalschäden), Zahntraumata oder Kiefergelenksproblemen vorgebeugt werden. Aber auch ästhetische Faktoren spielen eine entscheidende Rolle für eine kieferorthopädische Behandlung.
Zahnfehlstellungen sind bei fast jedem menschlichen Gebiss zu beobachten. Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass auch eine kieferorthopädische Behandlung notwendig ist. Eine erste Diagnose stellt der Zahnarzt oder der Kieferorthopäde. Es werden unter anderem Zahndurchbrüche, Zahnanzahl sowie die Zahn- und Bissposition kontrolliert. Wenn eine Behandlung erforderlich ist, überweist der Hauszahnarzt den Patienten zum Kieferorthopäden (Zahnarzt mit vierjähriger kieferorthopädischer Weiterbildung), der dann nach einer gründlichen Untersuchung Modelle und Röntgenaufnahmen für die Diagnose erstellt.
Der Beginn der Behandlung richtet sich individuell nach dem Problem des Patienten. Liegt eine Fehlstellung schon im Milchgebiss vor, sollte die Behandlung früh beginnen, weil die Fehlstellung je nach Schweregrad das Wachstum ungünstig beeinflussen kann. In der Regel beginnt eine Therapie, wenn die bleibenden Schneidezähne komplett sind oder der vollständige Zahnwechsel erfolgt ist. Es ist ratsam, die Gebissentwicklung bei Mädchen im Alter zwischen acht und zehn Jahren, aufgrund der Wachstumsunterschiede bei Jungen erst im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren zu kontrollieren.
Ursachen
Viele Fehlstellungen haben eine genetische Ursache, so dass Gebissanomalien in einer Familie gehäuft auftreten können. Aber auch bestimmte Gewohnheiten im Kleinkindalter, wie zum Beispiel exzessives Nuckeln oder Daumenlutschen, können die Kiefer verändern und zu Fehlstellungen führen.
Ist der Kiefer zu eng, wachsen die Zähne oft verschachtelt. Auch wer schon früh seine Milchzähne wegen Karies verliert, kann Probleme bekommen, da die nachfolgenden Zähne nicht ausreichend Platz finden. Bleiben Milchzähne dagegen zu lange im Kiefer, drohen ebenfalls Zahnfehlstellungen, da sich die endgültigen Zähne an diesen vorbei schieben müssen oder sich verlagern können. Fehlstellungen der Kiefer oder Zähne können auch durch Verletzungen verursacht werden. Nicht zuletzt führen bestimmte Krankheiten, wie zum Beispiel das Down-Syndrom oder die Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte, zu einer veränderten Gebiss-Situation.
Therapie
Das Gebiet der Kieferorthopädie lässt sich grob in drei Behandlungsbereiche einteilen:
- Die myofunktionelle Therapie erfolgt bei falscher Zungen- und Mundfunktion sowie bei einer Kiefergelenksbehandlung
- In der komplexen Funktionskieferorthopädie werden Korrekturen mit Hilfe von Muskelreizen erzielt. Neben Zahnfehlstellungen werden vor allem falsche Stellungen der Kiefer zueinander korrigiert.
- Als Orthodontie werden die Korrekturen von Zahnfehlstellungen bezeichnet.
Myofunktionelle Behandlungen können zum Beispiel mit Mundvorhofplatten durchgeführt werden, wenn kein richtiger Mundschluss besteht. Zur Korrektur falscher Zungenhaltungen oder -funktionen überweist der Kieferorthopäde oft zur logopädischen Behandlung. Zur Kiefergelenksbehandlung, bei Schmerzen oder Knackgeräuschen im Kiefergelenk, kann der Kieferorthopäde mit unterschiedlichen Aufbissschienen beitragen.
Korrekturen von Zahnfehlstellungen (Orthodontie), bei denen der einzelne Zahn in seinem Knochenfach bewegt wird, können in jedem Lebensalter erfolgen. Komplexe Funktionskieferorthopädie ist hingegen an die Wachstumsphase gebunden. Die Korrekturen werden bei allen drei Behandlungsformen mit Hilfe von herausnehmbaren oder festsitzenden Apparaturen durchgeführt.
Alle kieferorthopädischen Behandlungen führen grundsätzlich nur dann zum Erfolg, wenn der Patient eigenverantwortlich mitarbeitet.
Bei schweren Kieferfehlstellungen setzt die Therapie schon im Milchzahngebiss an, zum Beispiel wenn der Unterkiefer den Oberkiefer deutlich überragt. Eine frühzeitige Behandlung ist auch beim so genannten Kreuzbiss notwendig, bei dem die Zähne des Unterkiefers vor den Oberkieferzähnen stehen. Normalerweise beginnt die Behandlung zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr, wenn die Milchbackenzähne herausfallen und durch die bleibenden Zähne ersetzt werden.
Um Fehlstellungen der Zähne zu behandeln, stehen verschiedene kieferorthopädische Apparaturen zur Verfügung – die festsitzenden oder herausnehmbaren Zahnspangen. Muss der Kiefer beispielsweise wenig gedehnt werden, kommen herausnehmbare Plattenapparaturen zum Einsatz, bei sehr starker Dehnung sind oft festsitzende Spangen erforderlich. Müssen wegen starkem Platzmangel bleibende Zähne entfernt werden, ist in fast allen Fällen eine festsitzende Spange angezeigt.
Festsitzende Zahnspangen
Die festsitzende Spange – auch Multiband- oder Multibracketapparatur genannt – besteht aus Metallplättchen, die über elastische Drähte miteinander verbunden sind. Die Metallplättchen, die so genannten Brackets, werden mit einem Kleber auf den Zähnen fixiert und verschieben über einen Zeitraum von mehreren Monaten die betreffenden Zähne in eine korrekte Lage. Auch wenn die Metallplättchen fest auf den Zähnen sitzen, schädigt die Apparatur nicht den Zahnschmelz. Vereinzelt geht zwar beim Abnehmen etwas Zahnschmelz verloren, doch ernsthafte Schäden bleiben aus.
Da festsitzende Spangen rund um die Uhr getragen werden, beheben sie Fehlstellungen sehr effektiv. Da aber durch die Brackets die Zahl der Nischen im Mundraum deutlich ansteigt, ist eine äußerst gründliche Zahnpflege unerlässlich – ansonsten drohen Karies und Parodontitis. Vor einer Multibandbehandlung muss das Gebiss oft durch herausnehmbare Spangen vorbereitet werden. Wurde die Multibandapparatur schließlich entfernt, schließt sich die Retentionszeit von unterschiedlicher Dauer an, denn die neuen Zahnstellungen stabilisieren sich erst mit der Zeit. Die Patienten sollten für entsprechende Kontrollen der Retainer (Haltespangen) mindestens zweimal im Jahr ihren Kieferorthopäden aufsuchen.
Bei größeren Fehlstellungen der Kiefer, vor allem nach Abschluss des Körperwachstums, ist eine Operation oft nicht zu vermeiden. Nach der Korrektur von Zahnfehlstellungen werden damit die Kiefer oder einzelne Kieferabschnitte in eine korrekte Position gebracht.
Herausnehmbare Zahnspangen
Herausnehmbare Zahnspangen sind spezielle Kunststoffplatten oder Kunststoffkörper, die mindestens 14 bis 16 Stunden täglich getragen werden müssen. Im Inneren der Spange sorgen Schrauben oder Drahtfedern für eine Verschiebung der zu behandelnden Zähne. Für die Funktionskieferorthopädie benötigt man Spangen, die beweglich zwischen den Zahnreihen liegen. Die Kieferlage wird über Einbisse der Zähne in dem Kunststoffkörper reguliert. Bei speziellen Problemen kommen auch Geräte zum Einsatz die von außen ansetzen, wie beispielsweise die Kopf-Kinn-Kappe oder der Headgear (Außenspange).
Tipps für den Umgang mit der Zahnspange:
- Wird die Zahnspange nicht benutzt, sollte sie in einer speziellen Dose aufbewahrt werden.
- Mit einer Zahnbürste muss die Spange mindestens einmal pro Tag gründlich gesäubert werden. Zusätzlich sollte die Apparatur zweimal im Monat mit Brausetabletten desinfiziert werden. Häufigere Desinfektionen greifen zuweilen den Kunststoff der Spange an.
- Ohne Zahnspange schieben sich die Zähne schnell wieder in ihre alte Stellung zurück. Aus diesem Grund sollte die Apparatur regelmäßig getragen werden – am besten ohne Unterbrechung.
- Wurde die Spange längere Zeit nicht getragen, ist ein erneuter Besuch beim Kieferorthopäden unvermeidlich. Auf keinen Fall darf die Spange mit Gewalt auf die Zähne gezwängt werden.
- Da es zu Beginn oft schwierig ist, mit einer Spange im Mund zu sprechen, sollte der Patient Sprechübungen durchführen. Lautes Vorlesen ist eine gute Übung.
- Der Kieferorthopäde muss regelmäßig aufgesucht werden, um die Spange zu kontrollieren und gegebenenfalls nachzustellen.
- Fällt eine abnehmbare Zahnspange während des Schlafes häufig aus dem Mund, ist nicht selten die Tragezeit während des Tages zu kurz. Zunge und Mundmuskulatur können dann nicht ausreichend trainiert und gewöhnt werden.
Kieferorthopädie bei Erwachsenen
Auch Erwachsene müssen sich nicht mit Zahnfehlstellungen abfinden. Ähnlich wie bei Jugendlichen werden die betreffenden Zähne nach und nach in ihre korrekte Position verschoben. Stehen die Zähne zu eng, erhöht sich das Risiko für Karies und Parodontitis, während zu weit nach vorne stehende Zähne den Kauvorgang erschweren. Als Folge kann sich die Oberfläche zu stark abnutzen und Schäden am Zahnhalteapparat verursachen.
Allgemein können Zahnfehlstellungen die Kiefergelenke unverhältnismäßig stark belasten, wodurch belastende Kopf- und Gesichtsschmerzen auftreten können.
Bei starken Kieferfehlstellungen sind chirurgische Eingriffe meist nicht vermeidbar, da das Knochenwachstum beim Erwachsenen bereits abgeschlossen ist.
Die Behandlung dauert bei Erwachsenen etwas länger als bei Kindern: Müssen diese zum Beispiel zwischen ein und zwei Jahren mit den kieferorthopädischen Apparaturen leben, sind es für eine gleiche Korrektur beim Erwachsenen oft anderthalb bis drei Jahre. Bei Erwachsenen ist auch die Retentionsphase länger. Es kann sogar vorkommen, dass dauerhaft gestützt (retiniert) werden muss, um die korrekte Zahnstellung zu erhalten. Hierfür gibt es kleine abnehmbare Spangen, die nach Bedarf, beispielsweise drei- bis viermal pro Woche nachts getragen werden können. Auch unsichtbar hinter den Zähnen geklebte Drähte können diese Funktion übernehmen, allerdings ist dann die Zahnreinigung erschwert. Zusätzlich ist der Halt der Klebestellen regelmäßig zu prüfen.

